„Transformation der Wiedergutmachung“ – Neues Projekt im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen

Von Johannes Schmitz und Anastasia Hartmann

Im Juni 2025 startete in der Abteilung Rheinland des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen das auf zwei Jahre angelegte Teilprojekt „Transformation der Wiedergutmachung“. Neben der wissenschaftlichen Aufarbeitung der administrativen und rechtlichen Bedingungen der Wiedergutmachung in NRW steht die landesweite Erfassung einschlägiger Unterlagen in einem sachthematischen Inventar im Mittelpunkt. Mit der im Jahr 2027 geplanten Veröffentlichung wird das sachthematische Inventar erstmals einen systematischen und landesweiten Überblick über Entschädigungs- und Rückerstattungsakten in Nordrhein-Westfalen bieten. Die Ergebnisse werden in das Themenportal „Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts“ integriert und dort gezielt recherchierbar gemacht.

In den letzten zehn Monaten wurden hierzu über 400 Archive in ganz NRW mit der Bitte um Auskunft über relevante Bestände angeschrieben. Dabei wurden Informationen zum Umfang des Bestandes, zur Bestandsbeschreibung, zum Erschließungsstand sowie zum Provenienzbildner in den entsprechenden Archiven eingeholt. Ein Feld für besondere Anmerkungen ermöglicht es, ergänzende Informationen einzutragen, die über die allgemeinen Angaben hinausgehen oder im Formular nicht standardisiert abgefragt werden. Neben Kommunalarchiven wurden politische Archive und Wirtschaftsarchive kontaktiert, in denen weitere Überlieferungen vorliegen können. Ergänzend dazu wurde auch The National Archives in London berücksichtigt, in dem sich weitere Bestände aus der Besatzungszeit befinden könnten.

Karte von Nordrhein-Westfalen
Die Archive, die sich am Teilprojekt beteiligen, sind mit einem roten Pin versehen.

Rund die Hälfte der kontaktierten Archive hat bisher zu ihren Beständen Auskunft gegeben. Die Rückmeldungen fallen dabei äußerst heterogen aus. Einige Archive verfügen über keine einschlägigen Archivalien, andere hingegen über einzelne Akten bis hin zu umfangreichen Beständen. Während sich der Inhalt der Akten aus einigen Beschreibungen klar erschließt, sind andere weniger eindeutig und erfordern teilweise Rückfragen; zudem ergeben sich in einzelnen Beständen neue, weiter zu klärende Sachverhalte.

Die Recherche innerhalb der Archive wird mitunter durch den synonymen Gebrauch des Begriffes „Wiedergutmachung“ erschwert. So wurden darunter in den Findbüchern neben Entschädigungs- und Rückerstattungsverfahren für NS-Verfolgte nach Bundesentschädigungs- und Bundesrückerstattungsgesetz (BEG, BRüG) auch Vorgänge nach dem Kriegsgefangenenentschädigungsgesetz (KgfEG) und dem Lastenausgleichsgesetz (LAG) verzeichnet, die jedoch andere Arten von Entschädigungen betreffen. Besonders hervorzuheben sind mit Blick auf die kommunale Überlieferung die frühen Bemühungen um Wiedergutmachung. Diese wurden vor allem durch die Kreissonderhilfsausschüsse ermöglicht, die in der unmittelbaren Nachkriegszeit erste Unterstützungsleistungen gewährten, insbesondere für Personen, die aufgrund der nationalsozialistischen Verfolgung in eine wirtschaftliche Notlage geraten waren.  

Die Heterogenität der Rückmeldungen hinsichtlich des Umfangs, der Beschreibung und des Erschließungsstandes der jeweiligen Bestände stellt in Bezug auf die Vereinheitlichung der Endergebnisse eine deutliche Herausforderung dar. Für die Erstellung des Inventars ist eine einheitliche Darstellung zentral, da sie einen konsistenten Zugang zu den nordrhein-westfälischen Überlieferungen gewährleistet. Dieser Schritt bildet einen wesentlichen Bestandteil des weiteren Projektverlaufs.