Lebensgeschichten

Die Beiträge zeichnen die Lebensgeschichten nach von Johanna Kaulla, die einer württembergischen Bankiersfamilie angehörte, und von Harry Kahn, einem Viehhändler aus Baisingen bei Rottenburg. Sie berichten von der Verfolgung und der Ermordung Johanna Kaullas und dem Kampf ihrer überlebenden Nachkommen um Wiedergutmachung sowie vom Schicksal Harry Kahns, der den Holocaust überlebte und in seinen Heimatort zurückkehrte, um sein Eigentum im Rahmen der Rückerstattung zurückzubekommen und vor Ort wieder neu anzufangen.

Die aufgezeichneten Vorträge und das Zeitzeugengespräch entstanden im Rahmen der Themenwochen „Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts“ im Staatsarchiv Ludwigsburg am 9. und am 16. November 2022.

Die Videos sind eine Produktion des Landesarchivs Baden-Württemberg.

Lebensgeschichte 1: Johanna Kaulla

Johanna Kaulla und das Wiedergutmachungsverfahren einer württembergischen Bankiersfamilie – Ein Werkstattgespräch mit Gisela Faller am 16. November 2022 im Rahmen der Themenwochen "Wiedergutmachung nationalsozialistischen Unrechts" im Staatsarchiv Ludwigsburg. | Landesarchiv Baden-Württemberg

Gisela Faller aus Stuttgart berichtet im Gespräch mit Elena Heim (Staatsarchiv Ludwigsburg) über ihre Recherchen zum Schicksal der jüdischen Familie Kaulla während der NS-Zeit. Im Mittelpunkt stehen die in Theresienstadt umgekommene Johanna Kaulla und ihre Kinder, von denen eines nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht wurde. Die übrigen haben überlebt und konnten nach dem Krieg Wiedergutmachungsansprüche geltend machen. Hierbei sorgte auch ein geraubtes Gemälde für Aufsehen, das bis heute noch nicht an die Familie zurückgegeben wurde. Erfahren Sie mehr über Motivation, Vorgehensweise und Schwierigkeiten der familien- und personengeschichtlichen Nachforschungen von Frau Faller, bei denen sie sich nicht zuletzt auf die Wiedergutmachungsakten im Staatsarchiv Ludwigsburg stützt.

Lebensgeschichte 2: Harry Kahn

Dr. Franziska Becker und Dr. Fredy Kahn zeichnen das Schicksal des jüdischen Viehhändlers Harry Kahn aus Baisingen bei Rottenburg aus zwei Perspektiven nach: Fredy Kahn aus der Erinnerung an seinen Vater, der mehrere Konzentrationslager überlebte und 1945 in sein Heimatdorf zurückkehrte, und Franziska Becker als Ethnologin, die in Baisingen zur NS-Gewalt gegen die jüdische Dorfbevölkerung geforscht hat. Ein Schwerpunkt liegt auf der Nachkriegszeit: Am Beispiel Harry Kahns lassen sich die Anstrengungen eines Überlebenden rekonstruieren, vor Ort wieder "Fuß zu fassen". Dies geschah im Kontext der sogenannten "Restitutions- und Wiedergutmachungsverfahren", die von bürokratischen Hürden, antisemitischen Widerständen und juristischen Widersprüchlichkeiten geprägt waren.