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07.12.2020

Im Blickpunkt - Kriegsheimkehrer

Von Archivportal-D

In der Rubrik „Im Blickpunkt“ präsentieren wir besondere Highlights aus Archiven, die im Archivportal-D vertreten sind. Diese ausgewählten Archivalien geben Einblick in die Bestände und bieten Rechercheanregungen für eine mögliche Suche im Archivportal-D oder im Themenportal „Weimarer Republik“. Das Themenportal „Weimarer Republik“ ist noch ganz frisch, und so stellen wir hier erst einmal Archivalien zur Geschichte der Weimarer Republik vor. Wir freuen uns über Ihr Interesse und viele neue Nutzende im Archivportal-D.

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs kehrten ca. 7 Millionen deutsche Soldaten, viele davon zu Fuß, in ihre Heimatorte zurück – eine gewaltige gesellschaftliche Integrationsaufgabe. Die überwiegende Mehrheit der Soldaten, von denen einige auch in Kriegsgefangenschaft geraten waren, war desillusioniert, ernüchtert sowie vom Zivil- und Arbeitsleben entfremdet. Einige Glückliche konnten in ihre Arbeitsstelle, z.B. in landwirtschaftlichen Betrieben, zurückkehren, aber die Arbeitslosenrate stieg Anfang 1919 von null auf acht Prozent an: Eine sehr schwierige Aufgabe für die junge Republik, die keine Infrastruktur besaß, um diese Menschen aufzufangen. Von der Monarchie enttäuscht oder durch die Gewalterfahrung radikalisiert, schlossen sich viele von ihnen revolutionären kommunistischen Gruppierungen oder rechtsextremen paramilitärischen Freikorps an, die sich blutige Auseinandersetzungen lieferten. In der Reichswehr konnten sie kein Auskommen finden, denn dieser durften nach den Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages maximal 100.000 Mann angehören. Von den 14.000 Soldaten, die aus den zum Freistaat Preußen gehörenden Hohenzollernschen Landen in den Krieg gezogen waren, kehrten ca. 10.000 zurück. Der Zug heimkehrender Soldaten vor dem Rathaus der Stadt Sigmaringen zeigt dies.

Kriegsheimkehrer in Sigmaringen
Kriegsheimkehrer in der Fürst-Wilhelm-Straße in Sigmaringen 1918/1919 (Landesarchiv BW, StAS Sa T 1 Sa 74/160)

 

Viele der Heimgekehrten litten des Weiteren unter äußerlichen Entstellungen. Weit verbreitet waren aber auch psychische Folgeschäden, wie Angststörungen, Aggressionszustände, Depressionen, "Kriegszittern" und Suizide. Die Invalidenhäuser und Nervenanstalten waren schnell überfüllt und die nur auf kommunaler oder privater Ebene existierenden Hilfsangebote reichten nicht aus. Die Versehrten waren stark auf familiäre Unterstützung oder die Möglichkeit, Arbeit auszuüben, angewiesen. Eine öffentliche Fürsorge für Kriegsbeschädigte gab es nicht. Erst das Reichsversorgungsgesetz von 1920 regelte die staatliche Fürsorge, erlaubte aber nur eine Minimalversorgung und konzentrierte sich darauf, die Geschädigten wieder in Lohn und Brot zu bringen. Das sogenannte „Preußische Krüppelfürsorgegesetz“ aus dem selben Jahr stellte zudem erstmalig eine gesetzliche Grundlage zu einer ambulanten und stationären Fürsorge von Menschen mit einer körperlichen Behinderung.

Ausführungsanweisung zum Gesetz über die öffentliche Krüppelfürsorge 1920
Abdruck der Ausführungsausweisung vom 27. Juli 1920 zum Gesetze über die öffentliche Krüppelvorsorge („Preußisches Krüppelfürsorgegesetz“) vom 06. Mai 1920, Blatt 3 (Quelle: Amtsblatt "Volkswohlfahrt", Amtsblatt des Preußisches Ministerium für Volkswohlfahrt Nr. 9, S.177 ff.) an das Reichsarbeitsministerium. BArch R 3901/9335

Je mehr Kriegsgeschädigte zurückkehrten, desto öfter reagierte die Öffentlichkeit aggressiv. Die Gefallenen wurden als Helden gefeiert. Die öffentlichen Reaktionen auf die zurückgekehrten Verletzen reichten dagegen von einer oftmaligen Verharmlosung des Themas in der Presse hin zu offener sozialer Ächtung und Verspottung.

Wir danken dem Landesarchiv Baden-Württemberg und dem Bundesarchiv für die Bereitstellung der Quellen.

 

Links zu den Quellen im Themenportal

Kriegsheimkehrer in der Fürst-Wilhelm-Straße in Sigmaringen 1918/1919

Ausführungsanweisung vom 27. Juli 1920 zum Gesetz über die öffentliche Krüppelfürsorge

 

Recherchemöglichkeiten

Wenn Sie sich für weitere Quellen zu Kriegsheimkehrern im Deutschen Reich interessieren, wählen Sie über den A–Z Index "Kriegsheimkehrer" aus und kombinieren Sie dieses thematische Schlagwort mit dem Geografikum „Deutsches Reich“ oder "Hohenzollernsche Lande".

In der Objektgallerie auf der Startseite des Themenportals finden Sie weitere Objekte zu den Schlagwörtern: Kriegsheimkehrer, Kriegsveteran, Kriegsinvalide